mardi 3 avril 2012

Bericht von Karin

Travailler- Zusammen  Leipzig 5.März- 24.März 2012
Unser Segel war (und ist) die Kreativität
Catherine, Jean-Claude und Karin: zusammen im Nachbarschaftsgarten in der Josephstr.27.
Wir haben sehr viel miteinander gesprochen, unsere verschiedenen Sichtweisen diskutiert,
und vor allem: einander zugehört!
Daraus ist etwas entstanden, was uns - und wohl auch die anderen Beteiligten - beflügelt hat.
Nach herzlichem Empfang durch Dörte, Sabine, Roland, Ruth und  Bernd und einer interessanten
Stadt-und Land-Rundfahrt mit Bernd, der uns auch historische, politische und soziale Zusammenhänge beleuchtete (all das musste ins Französische übersetzt werden!), sollte die Arbeit gleich beginnen.
Als wir an einem der letzten grauen Wintertage des Jahres 2012 das Grundstück besichtigten, bot sich kein sehr einladender Anblick: die Schweinekoppel sollte von Steinen und Schutt gereinigt werden.
 Auch die dort wohnenden Schweine waren zunächst nicht der Inbegriff von Schönheit, hatten aber etwas sehr Berührendes. Sie haben in den Nachbarschaftsgärten einen Altersruhesitz gefunden, wo sie in Würde die verbleibende Lebenszeit verbringen können. Eps und Vicky sind aus Situationen dort hingekommen, die sie traumatisiert haben, das Ergebnis von Massentierhaltung und Gewalt.
 Die beiden kranken Tiere (Diabetes u.a. nicht übertragbare Krankheiten, sie werden regelmäßig
 tierärztlich untersucht) leben am Rande der Gärten etwas isoliert vom Rest des Geschehens.
 Schon nach wenigen Tagen hatten sie unsere Sympathie erlangt und ein zentraler Gedanke für unsere Aktion war, die beiden Tiere- nach der chinesischen Astrologie Glücksbringer!- mehr  zu integrieren, um ihnen eine vermehrte Achtsamkeit zuteilwerden zu lassen und damit Lebensenergie.
Wir waren uns einig: Die Welt mit den Augen einer Künstlerin/eines Künstlers zu sehen, heißt, in jeder Situation die Möglichkeit einer Transformation zu etwas Anderem, möglichst Schönerem, zu sehen.
Was also konnten wir Neues erschaffen aus diesem Haufen von alten Ziegelsteinen und Bauschutt?
Der Gedanke, die Schweine von einem Sockel, oder einer Mauer, besser beobachten zu können,
 veränderte sich ; uns wurde bewusst, dass diese Tiere ja auch ein Bedürfnis nach Nähe zu anderen Lebewesen haben und dass auch sie gern Menschen in ihrer Nähe beobachten.
Die anfängliche Idee, eine Mauer zu bauen, die den Bretterverschlag ersetzen sollte, entwickelte sich hin zu dem Projekt, ein Theater zu bauen, „Le Théâtre des Cochons „, oder, ein „Am-Vieh-Theater“!!
Unser Wunsch, nicht nur zusammen mit dem Praktikanten Remi und mit Stephan (und Lukas!) dort tätig zu sein, sondern auch die anderen GärtnerInnen mit einzubeziehen, führte zu dem Schritt, zusammen mit den Kindern ein Flugblatt zu entwickeln, auf dem alle eingeladen wurden , mitzuhelfen.- Mit großem Erfolg!
 Es kamen sogar Leute aus dem Kiez, die bislang noch Schwellenängste hatten, aber sich sehr gern in den Nachbarschaftsgarten einbringen wollten. Dazu wollten wir auch die darstellende Kunst mit einfließen lassen. Neben der Erstellung der Flyer wurde den Kindern angeboten,
ein kleines Theaterstück im Am-Vieh-Theater zu präsentieren und dafür Masken und das Bühnenbild
selbst herzustellen.
Aufgrund der Fluktuation in den Gärten waren selten immer dieselben Kinder anwesend, sodass eine kontinuierliche Arbeit nicht möglich war, doch Spaß gemacht hat es trotzdem und die Kinder waren maßgeblich beteiligt an der Einweihung ihres Theaters, das auch zukünftig für Aufführungen  und andere Aktivitäten genutzt werden soll.
Es war für uns ein sehr positiver Faktor, dass wir alle drei professionell in verschiedenen Bereichen tätig sind:
Jean-Claude hatte sich nach einer jahrelangen pädagogischen Tätigkeit zum Maurer umschulen lassen
und hat handwerklich Erstaunliches vollbracht. Er hat etliche Workcamps für Concordia in Frankreich geleitet. Trotz sprachlicher Probleme hat er auch unerfahrene HelferInnen, große und kleine,
 angelernt.
 Catherine macht beruflich Video-Dokumentarfilme und hatte auf Schritt und Tritt ihre Ausrüstung mit, dank ihrer Arbeit haben wir eine vollständige Dokumentation des Projekts. Noch nachts saß  sie am PC und arbeitete an den Aufnahmen. Wir übersetzten, diskutierten - sie wollte ein möglichst umfassendes Bild über die Hintergründe des Projektes Nachbarschaftsgärten und den sozio-politischen Rahmen erhalten, um über den Tellerrand unserer Aktivität hinausschauen zu können.
 In unseren langen Gesprächen haben wir etliche Aspekte beleuchtet,
die das Leben in Leipzig betreffen, die alternativen Bewegungen in Deutschland und besonders in den Städten im Ostteil des Landes. Wir fanden es faszinierend , uns dort wie „zwischen zwei Welten“ zu fühlen;
die eine, vergangene, des totalitären Sozialismus  der DDR, mit den innerlichen und äußerlichen Spuren, die wir noch wahrnehmen konnten, die andere Welt die des näher und näher rückenden Spätkapitalismus, der wie mit Riesenzähnen alles zu zermalmen droht, was verwertbar und ausbeutbar ist.
 Dazwischen: gelebte Utopie für eine andere, gerechtere Welt, Projekte wie der Nachbarschaftsgarten,
die auf der Basis der Solidarität, des Austauschs, der Unterstützung und Wertschätzung  jeder noch so kleinen Geste beruhen, in denen neue Lebens-Formen realisiert werden.
Karin hat bei der Arbeit in den Gärten, bei den Ausflügen und auch abends in der Gästewohnung  übersetzt und sich bemüht, den französischen Freiwilligen möglichst viele Hintergründe über die
spezifische Situation Leipzigs als Teil der ehemaligen DDR, über die neue deutsche – insbesondere die alternative – Kulturbewegung zu vermitteln,  und hat sich auch um die künstlerisch-kreativen  Aspekte des Projekts gekümmert.  Aus der Überzeugung heraus, dass Kunst verbindet , wollten wir über kreatives Schaffen auch die Kinder mit einbeziehen. Die Tatsache, dass dort
„ein altes Amphitheater“ (Annuk)gebaut wurde, und zwar in erster Linie für sie, wurde mit Enthusiasmus aufgenommen.
Es war eine anregende und fruchtbare Zusammenarbeit, auch mit der Projektleiterin Dörte und den anderen TeilnehmerInnen des Projekts, sowie den PraktikantInnen. Unentbehrlich war die permanente Präsenz von Remi und von Stephan mit Lukas und der Austausch mit den NachbarschaftsgärtnerInnen.
Wir haben es auch als sehr positiv empfunden, dass wir (50+) mühelos Kontakt zu den jungen Müttern und auch Vätern hatten, mit ihnen über unsere Erfahrungen als Mütter (inzwischen schon größerer Kinder)
sprachen. Uns wurde klar, wie wichtig ein Austausch zwischen den Generationen ist, wie reich an Erfahrungen Menschen sind, die schon länger hier auf der Erde leben, und wie sie damit anderen, jüngeren,
helfen können. Die Jüngeren wiederum helfen den Älteren, nicht bei den Ideen stehenzubleiben,
die sich im Laufe der Jahre in ihnen geformt haben, und in Bewegung zu bleiben;
denn: wer rastet, rostet! 
Uns wurde klar, dass die Situation des Projektes, dessen Zukunft nicht sicher ist, da die Pachtverträge in nicht zu weiter Ferne auslaufen werden und der Fortbestand des Gartens von den Plänen
 der BesitzerInnen bestimmt wird, unserer eigenen, persönlichen Situation entspricht.
 Auch bei uns beiden stehen Umzüge und andere Veränderungen an.
 Aus diesem Grunde haben wir als Titel des Videos
„Passage“- „Übergänge“ gewählt.
Catherine und Karin arbeiten derzeit an einer Weiterführung des
Projekts, das folgende Charakteristika und Schwerpunkte haben soll:
  •      Transkulturell
  •      Kunstpädagogisch
  •      Vernetzend
  •      Generationsübergreifend
  •      Dokumentierend

1.April 2012                                                                              Karin Peschau

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